"Germap2008" - Als Gemeinschaftsprodukt des BVL - Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie und der Infektiologie des Uniklinikums Freiburg wurde der "Antibiotika-Resistenzatlas Germap 2008" medienwirksam vorgestellt.

Der Resistenzatlas ist online abrufbar unter:
http://www.bvl.bund.de/germap2008
oder
http://www.p-e-g.org/econtext/germap2008

Eine inhaltliche Detailstellungnahme unserer Kanzlei folgt. Schon die erste Durchsicht lässt aber erkennen, dass die Studie die Hoffnungen, die betroffene Patienten oder Menschen, die sich in eine Klinik begeben müssen, in sie setzen, nicht erfüllt.

Die Studie soll ein erster Schritt der Risikoeinschätzung sein. Dieser erste Schritt war bei inzwischen nach Schätzungen bis zu 1.000.000 (!) nosokomialen Infektionen in Deutschland lange überfällig. Die der Forschung zur Verfügung gestellten Mittel sind völlig unzureichend. Es ist ein Skandal erster Güte, wie zögerlich, uninformiert und hilflos auf der Ebene der Politik der Entwicklung der Resistenzlage zugeschaut wird. Das Infektionsschutzgesetz stellt keine geeigneten Instrumentarien und insbesondere keine hinreichende Sanktionsbewehrung zur Verfügung. Die prekäre Situation ist seit Jahren bekannt, sie spitzt sich weiter zu. Frau Schmidt agiert gleichwohl nicht.

Nebem der generellen Katastrophe steht das unermessliche Leid vieler tausend Patienten mit überraschenden und aufgrund der nach wie vor meist vertuschenden Aufklärung unerwarteten Krankenhausinfektionen und die Trauer der Angehörigen Verstorbener. Diese Menschen sind hilflos.

Auf der Basis der Studie ist es weiterhin keinem Patienten möglich, Erkenntnisse über die Infektionssituation "seiner" Klinik und die Bemühungen des Hauses auf dem Gebiet der Prävention und Bekämpfung gesuchter und erkannter Krankenhauskeime zu gewinnen. Der Versuch unserer Kanzlei, ein Klinikregister aller deutschen Kliniken, Pflegeheime und ambulanten Einrichtungen zu erstellen, ist gescheitert. Die deutliche Vielzahl der Kliniken lehnt - abgesehen von einigen, wenigen Positivbeispielen konkrete Auskünfte ab, viele Kliniken "mauern" komplett. Die Aufarbeitung vor Gerichten und durch Staatsanwaltschaften bleibt, auch sie fördert den Denkprozess und konkrete Maßnahmen, sie vermindert u.E Infektionszahlen durch organisatorische Verbesserungen.

Deutsche Patienten haben immer noch keine Chance, über ein öffentliches Register zu erfahren, ob eine Klinik ein "Keimnest" ist oder aber erhebliche Bemühungen zur Senkung der Infektionsraten - mit Erfolg -entfaltet.

Allen Patienten sei weiter mit Nachdruck angeraten, vor einem Eingriff sehr konkret nachzufragen, wie die Infektionssituation in der Klinik ist und ob ein Eingriff auch unter Berücksichtigung des Infektionsrisikos mit resistenten Krankenhauskeimen unter Berücksichtigung einer Risiko/Nutzenanalyse verantwortet werden kann. Nicht selten werden Fragen zum Thema Krankenhauskeime nicht gerne gehört. Man sollte sich gleichwohl nicht vertrösten, abschrecken oder mit völlig allgemeinen Hinweisen "abspeisen" lassen. Nur der aufgeklärte Patient kann sein Selbstbestimmungsrecht ausüben.

Dr. jur. Burkhard Kirchhoff
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