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Kommentar Dr. Kirchhoff zur Aktion saubere Hände: Gesetzgeberisches Unterlassen als Fall für die Staatsanwaltschaft? Wir haben immer wieder die Untätigkeit der Politik auf dem Gebiet der Vermeidung nosokomialer Infektionen kritisiert. Mit der bundesweiten Aktion "Saubere Hände" wird die Bundesregierung rechtzeitig vor den Wahlen und als Konsequenz medialer Darstellung aktiv. Die eingeleiteten Maßnahmen sind so ungeeignet wie das Infektionsschutzgesetz. Bei nach schwankenden Schätzungen (siehe Allianz Studie "Krank im Krankenhaus") 500.000 bis 750.000 Krankenhausinfektionen in Deutschland jährlich - eine zu verbessernde Zahl - sind 650.000,00 € Fördermittel für eine "Kampagne" ein Schlag in das Gesicht aller Geschädigten. Ministerin Schmidt scheint die Zusammenhänge nicht zu verstehen oder nicht verstehen zu wollen, sie macht es sich populistisch einfach und kritisiert die teilweise unzureichende Desinfektionspraxis. Wie die Kliniken und insbesondere die Pflegekräfte "an der Front" die geforderten Maßnahmen in Anbetracht der immer weiter um sich greifenden Einschränkungen der Ressourcen umsetzen sollen, bleibt offen. Frau Schmidt lässt die Kliniken und insbesondere das Pflegepersonal wieder einmal im Regen stehen. Der deutschen Gesundheitsministerin ist die Problematik seit Jahren bekannt. Das Infektionsschutzgesetz bleibt gleichwohl unverändert. In Deutschland sollten Infektionsstatistiken der Kliniken zwingend öffentlich gemacht werden. Nur so kann sich der Patient - bei präziser Führung der Statistik und strikter Kontrolle - ein zuverlässiges Bild über die ihm drohenden Gefahren in einer konkreten Klinik verschaffen. Das Argument, man wolle keine Ängste schüren, zieht nicht. Viele Patienten haben Angst, weil sie vor einer Operation keine Möglichkeit haben, sich über die Infektionssituation in der gewählten Klinik zu informieren. Wenn Kliniken meldepflichtige Häufungen nosokomialer Infektionen aufweisen und die Meldepflicht verletzen, geschieht in Deutschland meist nichts. Der Patient wird zum "Objekt". Die Aktion "Saubere Hände" ist zu begrüßen,
sie ist gegenüber der vorangegangenen, kompletten Inaktivität
ein sehr kleiner Fortschritt. Die "Aktion" vor den Wahlen
ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Gesundheitsministerium
seit Jahren die Zustände in einigen Kliniken in Deutschland duldet
und aus diesem Grunde konkrete Verantwortung für das massenhafte
Leid durch Krankenhausinfektionen in Deutschland trägt. Dr. jur. Burkhard
Kirchhoff |